BERICHTE - Gedichte - Geschichten - Humoriges

Die Geschichte der Coonies

Anfang Oktober 1999 wurden wir über einen Hilferuf im Internet auf eine Maine Coon "Züchterin" in Kassel-Baunatal aufmerksam gemacht.

Eine junge Frau aus dem Nachbarort versuchte verzweifelt, bei der "Züchterin" befindliche Tiere zu vermitteln, da die Tiere in einem sehr schlechten Zustand waren und nur unzureichend versorgt wurden. Ursprünglich sollen es 29 Tiere gewesen sein, einige seien verstorben, einige auch schon vermittelt, so dass noch ca. 12 Tiere dort seien.

Zusammen mit meiner Vereinskollegin Sabine machte ich mich am 10. Oktober auf den Weg nach Kassel, um einige Tiere abzuholen. Vor Ort angekommen ein unbeschreibliches Bild. Der Gestank von unkastrierten Katern drang uns schon weit vor dem Haus in die Nase. Die Katzen, angeblich 4-5 Jahre alt, waren teilweise total verfilzt, mager und extrem scheu und verängstigt. Ihr Lebensraum war offensichtlich nur ein kleiner Flur, eine glatte Treppe zum ersten Stock und dort nochmals ein kleiner Raum, insgesamt ca. 50 qm. Ohne Kratzbaum, Schlafmöglichkeit, Spielzeug. Einige Schüsseln mit "Brekkies" standen herum und diverse Katzenklos. In diesen Klos haben die Tiere auch schlafen müssen, wenn nicht auf dem blanken Boden. Keine der Katzen war kastriert, entwurmt oder gar geimpft.

twiggyEin Kater hatte nur noch ein Auge, angeblich durch eine Krankheit das andere verloren (es sah für mich jedoch eher nach einer Verletzung aus, gezackte Wundränder, schlecht versorgt bzw. verheilt). Eine Katze hatte auf der linken Körperseite kaum noch Fell (bedingt durch das Schlafen im Katzenstreu, wie der Besitzer sagte). Namen und genaues Alter der Katzen konnte uns der Besitzer nicht sagen, da er keinen "Überblick" habe....

Nur eine Katze war in einem guten Zustand, zutraulich und gepflegt. Diese Katze, eine weibliche Silber-Tabby von ca. 2 Jahren, wolle man auch behalten, denn schließlich habe man dafür DM 1.500 bei einer Züchterin in Holland bezahlt...

tammyZusammen mit Sabine und der jungen Frau aus dem Nachbarort versuchten wir, einige Katzen einzufangen. Die Tiere ließen sich nicht anfassen (!!!!), waren panisch und bissen und kratzten. Auf meine Frage, warum die Tiere so extrem scheu seien, obwohl sie doch in der Wohnung geboren sind und ihr gesamtes Leben mit Menschen Kontakt hatten, zuckte der Besitzer nur mit den Schultern. Angeblich sei die Mutterkatze scheu und habe dies wohl an ihre Kinder weitergegeben...

Schließlich gelang es uns, (leider nur) vier Tiere in den mitgebrachten Transportkörben unterzubringen. Gerne hätten wir alle Katzen mitgenommen, um sie aus diesem Elend zu befreien.

In Frankfurt angekommen hatten wir dann die Möglichkeit, die Katzen näher zu untersuchen. LÖWE war so verfilzt, dass er geschoren werden musste. Er war ein halber Kryptorchid, die Krallen an einer Pfote waren eingewachsen, die Pfote vereitert und er muss wohl starke Schmerzen gelitten haben. KIMBI war extrem scheu, genau wie TAMMY, die zudem noch unter Rachenherpes litt. Auch TWIGGY musste geschoren werden, bedingt durch ihr verfilztes Fell konnte sie kaum richtig laufen. Sie wog (mit Haaren) weniger als 2kg. Bei ihrer Voruntersuchung zur Kastration stellte sich heraus, dass sie an einer Insuffizienz der linken Herzkammer leidet und so bekam sie zunächst einmal die entsprechenden Medikamente.

Die ersten zwei Wochen haben die Katzen fast nichts gefressen und mussten teilweise zwangsernährt werden. Alle Tier hatten schlechte Zähne bzw. Zahnstein. Bei der Kastration der weiblichen Tiere stellte sich heraus, dass sie eitrige Zysten an den Eierstöcken und der Gebärmutter hatten, die zu einem späteren Zeitpunkt durchaus auch Krebs hätten verursachen können.

Jetzt, nach vier Monaten, geht es den Katzen schon erheblich besser. Sie fressen, wenn auch immer noch zu wenig. Sie lassen sich jetzt auch anfassen und kämmen, genießen das Streicheln und die Fürsorge. Es wird aber wohl noch lange dauern, bis aus diesen bedauernswerten Geschöpfen "normale" Katzen werden, denn vier Jahre Vernachlässigung lassen sich nicht einfach wegwischen.

Dass ich auf Züchter und die Arbeit von Zuchtverbänden nicht besonders gut zu sprechen bin werden Sie, liebe Leser, hoffentlich verstehen.
Gunda O´Neal, im Februar 2000


Nachtrag: Jetzt, im Juni 2000 haben unsere vier Sorgenkinder alle ein tolles neues Zuhause bei lieben Menschen gefunden und wir wünschen den neuen "Dosenöffnern" noch viele fröhliche Jahre mit ihren neuen Familienmitgliedern.
An alle wirklichen Tierfreunde möchte ich appellieren: Kaufen Sie NIEMALS ein Tier bei einem Züchter! Unterstützen Sie nicht die gewissenlose Gewinnsucht zu Lasten unserer Mitgeschöpfe. Lassen Sie nicht zu, dass Lebewesen, die genau wie wir Menschen Gefühle haben und Schmerz empfinden, mit Briefmarken gleichgestellt und als "Hobby" zu Gebärmaschinen degradiert werden.