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Kampf dem Katzenelend
oder: Sechs getigerte Katzen

Wie alles begann:

Anfang Oktober wurde ich von einem spanischen Mitbürger angesprochen. Er fütterte auf seiner Kleingartenparzelle sechs getigerte Katzen: Mama Katz, Papa Katz und ihre 4 Kinder, geboren im Frühjahr. Nun sei er vom Vorstand des Kleingartenvereins aufgefordert worden, das Füttern der Tiere zu unterlassen, andernfalls müsse man ihm seinen Garten kündigen. Ich verabredete mit Herrn G. nacheinander zwei „Besichtigungstermine“, zu denen er jedoch nicht erschien...

Also nahm ich direkten Kontakt zu dem Vorstand des Kleingartenvereins auf und konnte nun endlich offiziell die Anlage betreten. Wir besprachen zunächst, wann und wo Fallen aufgestellt werden könnten u.s.w. Und ich fand in dem Gespräch bestätigt, was unter Tierschützern bestens bekannt ist: Viele Kleingärtner sind freilebenden Katzen nicht gerade „wohlgesonnen“. Denn Katzen graben Beete um und benutzen diese als prima Klo, fangen Vögel und andere Vorurteile. Dass sie jedoch auch die aufgrund der zahlreichen Komposthaufen und im Sommer herumliegenden Grillabfälle massenhaft vorkommenden Mäuse und Ratten in Grenzen halten, das will natürlich niemand der „Naturfreunde“ anerkennen. Im Gegenteil: Mir wurde berichtet, dass man in dieser Anlage sogar auf Katzen schießen oder sie vergiften würde.

Jetzt geht´s zur Sache...

Zusammen mit einem Bekannten machte ich mich nach dieser „Ortsbesichtigung“ daran, das „Katzenproblem“ anzugehen. Gleich an unserem ersten Fangtag gingen uns zwei „Teenies“ in die Falle, ein kleiner getigerter Kater und eine anscheinend reinrassige Norwegische Waldkatze, von deren Vorhandensein vorher nichts bekannt war. Bei diesem Termin sahen wir- aus der Ferne- auch noch einen großen roten Kater. Ergo tatsächlicher Bestand: Acht und nicht- wie gemeldet- sechs getigerte Katzen.

In den nächsten Tagen bzw. Abendstunden trieb ich mich in und auch außerhalb der Kleingartenanlage herum, sprach mit Pächtern und Nachbarn. So erfuhr ich, dass nicht nur innerhalb sondern auch außerhalb der Anlage weitere Futterstellen für „Wildlinge“ existieren würden. Ich ahnte Schlimmes...

Beim nächsten Fangtermin auf dem Gelände der „Petersilienmafia“ gingen wieder zwei Tiere in die Fallen. Zunächst eine kleine getigerte Katze und- kaum dass ich sie in meiner Wohnung „zwischengelagert“ hatte, wurde mir aus der Gartenanlage telefonisch ein weiterer „Fangerfolg“ berichtet. Also erneut auf den Weg gemacht, in der Falle saß eine wunderschöne Schildpatt- Katze, auch sie hatte man vorher noch nie gesehen. Bei der ersten Untersuchung fiel mir auf, dass diese Katze tätowiert war. Normalerweise werden tätowierte Tiere, die bei "Fangaktionen" in die Falle gehen, sofort wieder ausgesetzt da davon auszugehen ist, dass sie einen Besitzer haben. Diese Katze jedoch war derart abgemagert, dass ich beschloss, sie zunächst erst mal aufzupäppeln. (Spätere Nachforschungen ergaben, dass die Katze nirgends registriert war, ein Besitzer konnte nicht ausfindig gemacht werden!) Ergo tatsächlicher Bestand an „Wildkatzen“ in der Kleingartenanlage: Neun und nicht sechs getigerte Katzen!

Weil wir ja sonst nichts zu tun haben...

In der darauffolgenden Woche kam auch endlich ein erster Kontakt mit einer der „externen“ Futterstellen zustande. Nur ca. 200m Luftlinie von der Gartenanlage entfernt, fütterte eine ältere Damen die Tiere. Sie berichtete mir, dass sie an dieser Stelle schon den ganzen Sommer (!!!) eine getigerte Mutterkatze mit Jungen versorgen würde. Jetzt könne sie es jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Meine Frage, warum sie denn nicht schon früher Kontakt zu einem Tierschutzverein aufgenommen habe, wurde nur mit einem Schulterzucken und verständnislosem Gesichtsausdruck beantwortet. Wir kamen überein, dass ab sofort ich die Futterstelle betreuen würde, um Überschneidungen mit der in der Gartenanlage laufenden Fangaktion zu vermeiden und das Ganze besser in den Griff zu bekommen. Am folgenden Abend, es war schon unangenehm kalt, verbarg ich mich, mit einer Taschenlampe bewaffnet, in dem Gebüsch um zu sehen, welche Katzen wann diese Futterstelle aufsuchen. Bis gegen Mitternacht herrschte reges Kommen und Gehen. Und meine Beobachtungen in den darauffolgenden Tagen bestätigten meine erste Vermutung: Die Katzen der Gartenanlage waren teilweise identisch mit denen der Futterstelle „Gebüsch“. Dieser Beobachtungsposten erwies sich jedoch als nicht ganz ungefährlich. Zweimal musste ich erleben, dass diese Stelle auch Jugendlichen bekannt war, denn sie hetzten ihre Hunde in den Schlupfwinkel, wohl in der Annahme, dass sich zu dem Zeitpunkt Katzen dort aufhalten würden. Mein wütendes Geschrei, Fußtritte und Schläge mit der Taschenlampe verjagten jedoch Zwei- und auch Vierbeiner. Trotzdem musste ich mir etwas einfallen lassen.

Organisation

Nach einem Gespräch mit dem Kleingartenvorstand erhielt ich freundlicherweise einen Schlüssel zu der Anlage und konnte nun zeitlich besser den jetzt allabendlich stattfindenden Fütterungsrundgang planen. Also jeden Tag nach Feierabend, Wochenende inklusive und neben der Versorgung meiner eigenen Pelzgurken bei Wind und Wetter, Kälte, Regen und Schneematsch, trotz Hexenschuss und Nierenbeckenentzündung: Zunächst zur Futterstelle „Gebüsch“, dann weiter in die Gartenanlage. Und je nach Verfügbarkeit von Tierarztterminen zwecks Kastration der „Wildis“ an beiden Futterstellen Lebendfallen aufgestellt. Meine Wohnung diente einmal mehr als „Zwischenlager“ zum Ausschlafen der frisch operierten Tiere. Im Verlauf des Winters (die Aktion lief vom 24. Oktober bis Mitte Februar) konnten insgesamt 19 (!!!) Tiere in allen Farben und Altersgruppen eingefangen werden. Und nicht- wie gemeldet sechs getigerte Katzen. Man stelle sich nur einmal vor, was das für eine Katzenschwemme im nächsten Frühjahr bedeutet hätte, denn es war nur ein Kater und eine Kätzin kastriert!

Wut und Zorn

Das Schlimmste, was ich im Verlauf dieser Aktion gesehen habe war die Katze "Stumpy". Als sie aus der Falle in eine Box umgesetzt wurde, war die Falle voller Blut und man konnte sehen, dass der Schwanz von "Stumpy" zum größten Teil abgehackt war. Der verbliebene Schwanzrest war offen und brandig, die Verletzungsart ließen unsere Tierärztin eine Verletzung durch eine Schlagfalle oder einen anderen scharfen Gegenstand vermuten. Eine der eingefangenen Katzen litt an Katzenseuche, konnte aber gerettet werden. Absolut dreist fand ich auch den Anruf der älteren "Katzenfreundin", die mir vorwarf "ihre" Katzen nicht genügend zu füttern!

Unverständlich ist mir jedoch, dass es trotz zahlreicher Aufklärungskampagnen aller Tierschutzorganisationen in fast allen Medien den Menschen immer noch nicht klar ist, was sie mit der wahllosen Fütterung von freilebenden Katzen anrichten. Aber man muss sie wohl einfach gern haben, die "tierfreundlichen" älteren Damen, die sich im Sommer an spielenden Kätzchen erfreuen, aber wenn es kalt wird sich auf ihr "Zipperlein" und ihre schmale Rente besinnen und dem Tierschutzverein das Problem der weiteren Versorgung der jetzt natürlich verwilderten Katzen aufbürden. Und man muss sie wohl einfach gern haben, die "Tierfreunde", die die Katzen erst durch übermäßige Fütterung zur Überpopulation motivieren, aber von ihrer Verantwortung gegenüber den Tieren letztendlich nichts wissen wollen. Füttern allein genügt nicht, dass sollte mittlerweile jedem wirklichen Katzenfreund klar sein. Allein an die Kosten der tierärztlichen Versorgung, insbesondere für die Kastrationen, die im Rahmen dieser Aktion verursacht wurden, mag ich gar nicht denken.

Aber es ist ja so einfach zu sagen: Ich kann/will mich nicht mehr kümmern, die Katzen müssen weg, der Tierschutzverein soll das "Problem" lösen. Tierfreunde???

© Gunda O´Neal (1998)