Giardien - Kampf den Einzellern!
 

Oder: Wie man die Plagegeister, die niemand rief, wieder loswird.

Beispiel: MANDY war "per Internet" nach Deutschland vermittelt worden. Als sich jedoch herausstellte, dass MANDY Giardien hat, wollte/konnte man die Behandlung nicht durchführen, die "Organisation", die MANDY vermittelt hatte, wollte/konnte sie nicht aufnehmen, es wurde sogar mit Euthanasie gedroht! Doch zum Glück kam sie in die Obhut von FELIDAE, wo sie umgehend behandelt wurde.

Was sind Giardien?
Giardien sind einzellige Darmparasiten und gehören zu den Geißeltierchen. Sie haften sich mit einer Saugscheibe an die Dünndarmwand und verursachen äußerst starke Durchfälle bei Mensch und Tier. Sie stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, haben sich aber in Deutschland stark verbreitet. Fast überall haben Tierbesitzer und Tierschützer mit ihnen zu kämpfen. Im Rahmen einer Bonner Dissertation [Christoph Koch. Vergleichende Untersuchung der Belastung von Fließgewässern mit Cryptosporidium sp. und Giardia lamblia in vier Einzugsgebieten mit unterschiedlicher naturräumlicher Ausstattung und menschlicher Nutzung. Bonn 2004.] wurden Giardien dort sogar - wenn auch in geringer Menge - bereits in den umliegenden Bächen und Talsperren festgestellt.

Giardien verursachen Durchfälle
Die Katzen haben z.T. sehr starken Durchfall, der oft ockerfarben und matschig bis wässrig und auch mit blutiger Schleimhaut durchzogen ist und irgendwie süßlich riecht. Oft schaffen sie es nicht mehr rechtzeitig zum Klo. Sie haben meist sehr guten Appetit, kümmern aber trotzdem, weil die Nahrung nicht richtig verwertet werden kann. Besonders betroffen sind Kitten und alte oder geschwächte Tiere. Ganz wichtig ist, dass diese Tiere durch den mit dem Durchfall verbundenen Flüssigkeitsverlust nicht austrocknen. Das kann lebensbedrohlich werden!

Der Tierarzt hilft!
Nachgewiesen werden Giardien mittels eines Tests, für den man über drei Tage Kot sammeln muss, da die Parasiten nicht täglich ausgeschieden werden. Fast jeder Tierschützer hatte inzwischen bereits Kotproben im Kühlschrank zwischengelagert, die er wie einen kostbaren Schatz verpackt und bis zur Abgabe beim Tierarzt sorgsam gehütet hatte. Das Wort "Giardien" verursacht daher bei Tierschützern in ganz Deutschland nur noch ein großes Aufstöhnen. In der Regel wird der Tierarzt bei positivem Testergebnis Panacur verschreiben. Zu beachten ist, dass dies als Wurmmittel bekannte Medikament über einen längeren Zeitraum gegeben werden muss, als in der Packungsbeilage beschrieben wird. Erfahrungen zeigen, dass drei Intervalle mit fünf Tagen Gabe, drei Tagen Pause, fünf Tagen Gabe u.s.w. das Behandlungsminimum umfassen.
Oft ist aber die Behandlung mit Panacur trotz höchster Hygienemaßnahmen nicht auszureichend, so dass man auf andere Mittel bzw. Wirkstoffe, wie z.B. Metronidazol oder Tinidazol (letzteres nur noch im europäischen Ausland erhältlich) zurückgreifen muss [Kraft, Dürr, Hartmann. Katzenkrankheiten. Klinik und Therapie. Alfeld-Hannover 2003. S. 328], das ebenfalls im Intervall über mehrere Tage gegeben wird. Diese Mittel sind aber äußerst bitter und daher nur schwer in eine Katze zu bekommen- wenn überhaupt. Abhilfe kann man versuchen, indem man die Tabletten in leere Gelatine-Kapseln füllt, die in Apotheke erhältlich sind. Aber: Es müssen aufgrund der hohen Reinfektionsgefahr alle Tiere im Haushalt - und nicht nur das auffällige - mitbehandelt werden.

Tägliche Hygiene ist wichtig
Die Giardien selbst sterben an der Luft recht schnell ab. Dummerweise bilden sie längerlebige Zysten, denen die meisten Desinfektionsmittel nichts anhaben können. Werden die Zysten aufgenommen, dauert der Entwicklungszyklus circa 10-15 Tage, was oft auch an der wechselnden Intensität des Durchfalls beobachtet werden kann. Das bedeutet tägliches Putzen, Putzen, Putzen! Eine gründliche Hygiene ist während der Behandlungszeit ein absolutes Muss! Das Katzenklo muss täglich ausgespült und desinfiziert und die genutzte Streu komplett entsorgt werden. Desinfektionsmittel mit "quaternären Ammoniumverbindungen" wie z.B. Bacillol oder das aggressive Chlorix haben sich der Erfahrung nach bewährt. Die Mittel riechen natürlich extrem scharf für feine Katzennasen. Normale Desinfektionsprays aus dem Drogeriemarkt reichen hier leider nicht. Wasser- und Futternäpfe müssen mit kochend heißem Wasser übergossen werden.
Alle Decken und Liegeflächen, Kratzbäume müssen ebenfalls behandelt oder bei mindestens 60° C gewaschen werden. Benutzt man einen Dampfreiniger, ist darauf zu achten, dass man die Stellen lange genug bedampft, da der Dampf an den Oberflächen recht schnell abkühlt!
Je stärker der Durchfall der Katze, desto leichter werden selbstverständlich die Zysten verteilt und aufgenommen. Wenige nur Zysten reichen aus, um einen erneuten Befall einzuleiten.

Darmsanierung und Immunsystemstärkung

Gleichzeitig zur Medikamentengabe und darüber hinaus ist eine Sanierung der angegriffenen Darmflora erforderlich, damit die Durchfälle stoppen und sich die Darmwände beruhigen können. Geeignete Mittel sind Perenterol-Kapseln, deren Inhalt man übers Futter streuen kann, Bierhefetabletten wie Leckerchen gegeben oder Moorheilerde, wie beispielsweise Sanofor von Grau, ins Futter oder Trinkwasser gegeben. Beim Tierarzt erhält man Präparate mit positiven Bakterienkulturen wie das nach Bananensplit riechende Bactisel, Benebac oder in der Apotheke das recht geschmacksneutrale Pulver Darmflora plus. Die Darmschleimhäute können mit dem homöopathischen Komplexmittel Mucosa compositum von Heel beruhigt werden. Besprechen Sie das für Ihr Tier geeignete Mittel mit Ihrem Tierarzt oder Ihrer Tierheilpraktikerin.

Es wird vermutet, dass ein Großteil der deutschen Hunde und Katzen symptomfrei mit Giardien leben. Das bedeutet, dass Tiere mit einem guten Immunsystem besser in der Lage sind, die Giardien in Schach zu halten oder zu eliminieren als geschwächte, junge oder gestresste Tiere. Daher setzt es sich inzwischen immer mehr durch, den Tieren gleichzeitig Präparate zur Stärkung des Immunsystems zu geben. Beispielsweise könnte man eine Kur mit ImmuStim (K) durchführen. Die ebenfalls wichtigen B-Vitamine werden durch den Durchfall vermehrt ausgeschieden. Vitamin B-Präparate (in Tablettenform von Hevert oder als Kapseln, die man in Wasser auflöst, von Ratiopharm) können oral gegeben oder vom Tierarzt gespritzt werden. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach der richtigen Dosis.

Giardien verhungern lassen!

Inzwischen liest man immer wieder, dass Giardien sich bevorzugt von Kohlenhydraten ernähren. Da Kohlenhydrate im Speiseplan des Karnivoren Katze sowieso kaum eine Rolle spielen sollten, und Trockenfutter und die meisten Supermarkt-Nassfuttersorten mit einem hohen Getreideanteil grundsätzlich keine artgerechte Nahrung für Katzen sind, spricht nichts dagegen, den Giardien die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Wegen der Durchfälle ist sowieso Schonkost angesagt.
Mageres Hühnchen- oder Putenfleisch oder bekömmliches Dosenfutter, wie beispielsweise Feline Porta 21, Almo nature, Miamor Milde Mahlzeit oder Feine Filets oder auch die getreidefreien Geflügelsorten von Vet Concept und was es noch alles gibt, schonen während der Behandlung den Darm der Katze. Achten Sie akribisch auf die auf der Dose angegebenen Inhaltsstoffe und meiden Sie Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse und Zucker/Karamell.

Alternative Wege beschreiten

Die ultimative Lösung der Medikamentenwahl scheint es nicht zu geben. Der Erfahrungsaustausch zeigt, dass inzwischen oft Pancur und Metronidazol miteinander kombiniert werden. Die Dosierungen und Länge der Intervalle werden individuell angepasst.

Tierheilpraktiker haben oft Erfolg im Kampf gegen die Giardien mit der Gabe von kolloidalem Silber. In Bonn wurde das kolloidale Silber bei einigen Katzen erfolgreich mit Panacur kombiniert.

Die Verfasserin behandelt Ihre erwachsenen Katzen inzwischen - angelehnt an die Giardienbehandlung in der Humanmedizin - mit einer einmaligen Gabe von hochdosiertem Tinidazol. Anschließend wird mindestens vier bis sechs Wochen gewartet, bis der Kot für den Kontrolltest wieder sorgsam verpackt im Butterfach der Kühlschranktüre gesammelt wird. Sollte der Befund immer noch positiv sein, hat bisher eine zweite Gabe Tinidazol stets ausgereicht. Die Sammelkotprobe war bei einem weiteren Test nach weiteren vier bis sechs Wochen stets negativ. Diese Behandlung wird selbstverständlich immer mit dem Tierarzt abgesprochen, da die Nebenwirkungen sehr hoch sein können. Der Nutzen muss gegenüber den Risiken sorgsam erwogen werden. Übereifrige Nachahmer seien daher vor einem Alleingang ausdrücklich gewarnt!

© Helena Bracklow, Bonn

 
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