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Einleitung
Die Frage nach dem "optimalen Zeitpunkt" für die Durchführung der Kastration
als Maßnahme zur Empfängnisverhütung entfacht unter Fachleuten immer
wieder rege Diskussionen. Dabei geht es um die Frage, ob es günstiger
ist, Katzen vor oder nach Erreichen der Geschlechtsreife zu kastrieren.
Die Argumente für und gegen die Kastration vor der Geschlechtsreife
beziehen sich primär auf die technische Umsetzung und mögliche Folgeschäden.
Auch emotionale Einwände und ethische Bedenken spielen eine Rolle. Seit
etwa zwei Jahren wird die Thematik durch die insbesondere in den USA
propagierte Kastration von Katzenwelpen im Absatzalter erweitert. In
den USA besteht eine gewaltige Überpopulation von Katzen und Hunden,
deren Folge die Euthanasie von durchschnittlich 20 Millionen streunender
Tiere jährlich ist. Daraus resultiert die Beschreitung immer neuer Wege
der Empfängnisverhütung.
Begriffsdefinition
Die Kastration ist die chirurgische Entfernung der Keimdrüsen. Geschlechtsspezifisch
ist von der "Ovarektomie", also der Entfernung der Eierstöcke beim weiblichen
Tier und der "Orchiektomie", der Entfernung der Hoden beim männlichen
Tier, zu sprechen. Frühkastration bezeichnet die Kastration bei jungen,
geschlechtlich nicht ausgereiften Tieren. Dabei kann es sich um die
Kastration im Absetzalter, also mit 8-14 Wochen, oder um die Kastration
vor dem Einsetzen der Geschlechtsreife (Pubertät) handeln. Der Pubertätsbeginn
bei der Katze variiert von Tier zu Tier und ist ebenfalls abhängig von
der Rasse und vom Geschlecht. Bei der weiblichen Katze beginnt die Pubertät
im Alter von 4-21 Monaten, beim Kater im Alter von 6-8 Monaten.
Warum
Frühkastration?
In den letzten Jahren steigt ständig die Zahl der streunenden oder verwilderten
Katzen. Diese Tiere machen 70% der in Tierheimen eingelieferten Katzen
aus. Die geradezu sprichtwörtliche Fruchtbarkeit der Katze wird ihr
in der heutigen Zeit zum Verhängnis. Bedenkt man, daß ein Katzenpaar
pro Jahr im Druchschnitt 3 Welpen bekommen kann, so vergrößert sich
die Katzenpopulation innerhalb von 10 Jahren auf ca. 80 Millionen Tiere.
In einem großen Katzenbestand können sich Krankheiten leicht und schnell
ausbreiten. Hier zeichnen sich Entwicklungen ab, die die Kastration
als Methode zur sicheren und dauerhaften Unfruchtbarmachung in den Vordergrund
rücken, um einer Überbevölkerung von Katzen wirksam vorzubeugen oder
entgegenzuwirken, um nicht auf amerikanische Verhältnisse hinzusteuern.
Die Kastration von freilebenden Katzen und nach Möglichkeit auch all
derer, die zu einer Familie gehören, stellt derzeit die einzige Möglichkeit
dar, das Anwachsen der freilebenden Katzenpopulationen und die damit
verbundene Verelendung der Tiere zu verhindern. Die Erfahrung hat gezeigt,
daß Privathalter, die eine junge Katze aus dem Tierheim aufnehmen, häufig
"vergessen", das Tier kastrieren zu lassen. Für die Tierheime ist es
daher wichtig, nur kastrierte Katzen weiterzuvermitteln. Da sich freilebende
Katzen, die einmal eingefangen wurden, nur schwer erneut einfangen lassen,
kann es bei diesen Tieren nötig sein, sie bereits in jungem Alter zu
kastrieren. Vor diesem Hintergrund kann die Kastration als aktive Maßnahme
des Tierschutzes angesehen werden.
Effekte
der Frühkastration auf die körperliche Entwicklung
Effekte der Kastration von Welpen im Absetzalter wurden bisher nur bis
zu einem Lebensalter von 24 Monaten durch Studien überprüft. Welche
Folgen diese Form der Frühkastrtion im weiteren Leben hat, ist bisher
nicht hinreichend bekannt. Die Narkose und der chirurgische Eingriff
an sich stellen für Welpen kein erhöhtes Risiko dar. Folge der Frühkastration
ist, daß sich die Wachstumsfugen der Knochen später als normal schliessen,
die Tiere werden infolgedessen größer. Kastrationsbedingt ist die Stoffwechselaktivität
verringert, so dass es zu einer nachweislich erhöhten Zunahme des Körperfetts
und damit des Körpergewichts kommt (um ca. 1kg). Unabhängig vom Zeitpunkt
der Frühkastration fällt eine Verringerung der Agressivität untereinander
und eine vermehrte Anschmiegsamkeit gegenüber den betreuenden Personen
auf. Mit 7 Wochen oder 7 Monaten kastrierte Kater weisen im Alter von
22 Monaten ähnliche Harnröhrendurchmesser auf wie nicht kastrierte Kater.
Dieser Punkt ist wichtig im Hinblick auf Harngriesbildung bei Katern.
Während sich bei nichtkastrierten Katern im Alter von 22 Monaten der
Penis vollständig aus dem Präputium (Vorhaut) vorlagern läßt, ist dies
nur bei 60% der mit 7 Monaten und bei keinem der mit 7 Wochen kastrierten
Tieren möglich. Langfristige Effekte dieser Entwicklungsstörung sind
noch nicht abzusehen. Dasselbe gilt für den Harnröhrendurchmesser weiblicher
Katzen, der im Alter von 22 Monaten nach Kastration im Welpenalter deutlich
geringer ist als bei nicht kastrierten Tieren. Unerwünschte Folgen der
Kastration, auch im späteren Lebensalter, sind insbesondere bei langhaarigen
Rassen qualitative Fellveränderungen ("Welpenfell"). Zusammenfassend
sind diese Ergebnisse dahingehend zu beurteilen, dass soweit bisher
bekannt ist, die Frühkastration von Katzen keine unmittelbaren Schäden
verursacht, aber das Erscheinungsbild, das Verhalten und möglicherweise
auch einzelne Organfunktionen im Erwachsenenalter von denen geschlechtlich
intakter Tiere abweichen.
Fazit
Nach Abwägung aller Faktoren läßt sich sagen, dass die Frühkastration
nach dem heutigen Kenntnisstand eine vertretbare Maßnahme ist, um der
Zunahme von verwilderten Katzen und den daraus für die Tiere entstehenden
Schmerzen, Leiden und Schäden entgegenzuwirken.
Dr. Willa Bohnet, Tierschutzzentrum der Tierärztlichen
Hochschule Hannover, Bünteweg 2, 30599 Hannover, Tel.: 0511- 9538142,
Fax: 0511- 9538056
Weitere
Informationen zum Thema Kastration finden Sie auch unter:
http://home.t-online.de/home/320077181202-0001/kastration.html
http://www.odo.in-berlin.de/kastration.html
http://www.loetzerich.de/KIN/catcare/kastration/kastration.html
http://www.wdr.de/tv/service/tiere/inhalt/20030525/b_2.phtml
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